Ägypten: Inklusion stärken - Chancen auf Arbeit eröffnen
Obwohl mit dem ägyptischen Gesetz Nr. 10/2018 ein fortschrittlicher rechtlicher Rahmen besteht, bleibt die Umsetzung im Alltag begrenzt. Ägypten zählt mehr als 114 Millionen Einwohner_innen, etwa 11 Prozent von ihnen leben mit einer Behinderung. Diese Gruppe ist überdurchschnittlich häufig von Armut, Gewalt und Diskriminierung betroffen. Fast die Hälfte kann weder lesen noch schreiben - deutlich mehr als im Landesdurchschnitt. Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich klare Ungleichheiten: Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderungen liegt rund 20 Prozent höher als in der Gesamtbevölkerung. Hier setzt das Vorhaben an: Es stärkt staatliche und gesellschaftliche Strukturen, damit bestehende Rechte wirksam werden.
Dieses Projekt wird im Rahmen der „Förderung entwicklungswichtiger Vorhaben der Sozialstruktur“ (kurz: SSF) durch das BMZ finanziert.
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Das Projekt folgt konsequent dem Ansatz der Sozialstrukturförderung (SSF): Es zielt nicht auf kurzfristige Einzelmaßnahmen, sondern auf nachhaltige Veränderungen von Systemen und Rahmenbedingungen.
Das Projekt setzt auf drei Ebenen an.

Makro-Ebene: Staatliche Strukturen stärken
Im Zentrum steht die Zusammenarbeit mit Ministerien und staatlichen Institutionen. Zuständigkeiten werden klarer geregelt, Programme besser verzahnt und Fachkräfte gezielt in inklusiver Politik und Praxis qualifiziert. So entstehen tragfähige Strukturen, die den Zugang zu Ausbildung und Arbeit langfristig sichern.
Meso-Ebene: Systeme anschlussfähig machen
Parallel werden zivilgesellschaftliche Organisationen, Bildungsanbieter und Unternehmen eingebunden. Sie entwickeln gemeinsam inklusive Ansätze für Ausbildung und Beschäftigung und passen bestehende Angebote an. Die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft ist dabei ein zentraler Hebel für nachhaltige Arbeitsmarktinklusion.
Mikro-Ebene: Individuelle Teilhabe ermöglichen
Ergänzend stärkt das Projekt gezielt junge Menschen mit Behinderungen. Sie erwerben berufliche und soziale Kompetenzen und werden beim Übergang in Ausbildung und Arbeit begleitet. Familien werden einbezogen, um die Inklusion langfristig zu stabilisieren.
Sozialpolitischer Ansatz mit langfristiger Perspektive
Das von BMZ und Caritas gemeinsam finanzierte Projekt verfolgt einen systemischen Ansatz, um die Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu verbessern und gesellschaftliche Strukturen inklusiver zu gestalten.
Ziel ist es insbesondere, jungen Frauen und Männern mit kognitiven Einschränkungen und Lernbehinderungen bessere Chancen auf Bildung, Qualifizierung und Beschäftigung zu eröffnen – und damit die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und würdiges Leben zu stärken.
Die Umsetzung erfolgt durch die Fachabteilung SETI (Support, Education and Training for Inclusion) von Caritas Ägypten. Diese arbeitet bereits seit den 1980er Jahren im Bereich der beruflichen und sozialen Inklusion. In den vergangenen Jahrzehnten konnten bereits rund 2.000 junge Menschen mit Behinderungen in Arbeitsverhältnisse vermittelt oder beim Aufbau eigener Einkommensmöglichkeiten unterstützt werden.
Inklusion ist keine Wohltätigkeit. Wir fordern echte Arbeitsplätze, in denen junge Menschen mit Behinderung arbeiten, sich weiterentwickeln und als Fachkräfte anerkannt werden. Dafür braucht es nicht nur Engagement vor Ort, sondern auch einen klaren politischen Einsatz auf allen Ebenen, der diese Chancen verbindlich schafft und durchsetzt.
Eglal Chenouda, SETI/Caritas Ägypten
Beitrag zu stabilen Gesellschaften und Partnerschaften
Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Projekt leistet einen konkreten Beitrag zur Umsetzung zentraler Ziele der Agenda 2030, zu denen sich Deutschland verpflichtet hat. Dazu zählen insbesondere die Förderung menschenwürdiger Arbeit (SDG 8) und der Abbau von Ungleichheiten (SDG 10).
Gleichzeitig stärken die Projektaktivitäten eine inklusive Entwicklung in einem Schlüsselpartnerland im südlichen Mittelmeerraum. Sie fördern soziale Stabilität, wirtschaftliche Perspektiven und gesellschaftliche Teilhabe – wichtige Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Damit unterstützt das Projekt auch Ägyptens nationale Entwicklungsstrategie „Vision 2030“ sowie die Umsetzung des Gesetzes Nr. 10/2018 zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen.
Mit einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Millionen Euro trägt das Projekt konkret dazu bei, Menschenrechte zu verwirklichen, die UN-Behindertenrechtskonvention sowie die „Amman-Berlin-Deklaration“ umzusetzen und eine inklusivere wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
Wie unsere Arbeit wirkt
Erfahren Sie hier mehr über die Auswirkungen des Projekts - und wovon Marvel Ashraf nun durch seine neue Selbstständigkeit träumen kann.
Weiterlesen: Unsere Prinzipien, unsere Arbeit.
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